Dorsale Foraminotomie Halswirbelsäule

Unser Angebot - die dorsale Foraminotomie

Die Methode der dorsalen Foraminotomie ist eine „ältere“ Operationstechnik, die in das Portofolio jeder Neurochirurgischen Praxis gehören sollte. Diese Technik hat weiterhin einen hohen Stellenwert bei bestimmten Indikationen und eindeutige Vorteile gegenüber der ventralen Fusion – nur das sie mittlerweile von kaum jemand angeboten wird, Wir führen weiterhin diese Operation durch, da wir über eine recht große Erfahrung mit der Indikationsstellung und deren Durchführung verfügen. 

Orginalveröffentlichung aus dem Jahre 1951 zu der Operation von dorsal von Frykholm und der Darstellung des eröffneten Stelle hinten an der Halswirbelsäule (rechte Abbildung)

Die dorsale Foraminotomie - muss es immer in einer Fusion enden ?

Die dorsale Foraminotomie hat als großen Vorteil, daß die Bandscheibe nicht ausgeräumt wird also erhalten bleibt, sondern nur der Bandscheibenvorfall entfernt wird. Dies ist jedoch nur bei Bandscheibenvorfällen möglich, die ganz weit auf der Seite liegen, d.h. im Nervenloch und ohne Druck auf das Rückenmark. In der Mitte gelegene Vorfälle oder auch das Rückenmark tangierende Vorfälle sollte von vorne/ventral entfernt werden.

  • anerkannte Methode zur Behandlung der Radikulopathie durch weiche zervikale Bandscheibenvorfälle und/oder knöchernen Foramenstenosen
  • Vorteil: Erhalt der Stabilität und Mobilität des Segments
  • Nachteil: anteriore/mediale Strukturen, die das Myelon komprimieren, können nicht hinreichend entfernt werden
  • Verlauf: in letzten Jahre wieder vermehrte Anwendung von Operationstechniken ohne Fusion (Arthroplastie) und des dorsalen Zugangs zervikal

Die dorsale Foraminotomie - Portfolio unserer Behandlungsmöglichkeiten

Wir haben zu der dorsalen Foraminotomie eine eigene Studie durchgeführt, um die Indikation und Effektivität dieser Methode darzustellen und zu unterlegen mit Fakten:

  • über einen Zeitraum von 10 Jahren wurden 247 Patienten (128 m/119 w) in einer Höhe (n=192) oder zwei Höhen (n=55) operiert
  • unilaterale Foramenstenose, weicher Bandscheibenvorfall intraforaminal/lateral
  • Nachuntersuchungen erfolgten 1 Woche, 6 Wochen und 3 Monate postoperativ
    Nachuntersuchung beinhaltete eine ausführliche neurologische Untersuchung
    Erhebung der Schmerzintensität sowie Zufriedenheit der Patienten (DGNC

Auf die Wahl der Patienten kommt es an:

  • es sollten keine klinischen Zeichen der Segmentinstabilität bestehen
  • es sollte keine Spinalkanalstenose in diesem Segment bestehen
  • es sollten eine klinische Identifikation einer Nervenwurzel bestehen
  • die Grenzen dieser Methode müssen dem Patienten bekannt sein
  • es kann eine topographische Diagnostik durch eine periradikuläre Therapie (PRT=CT-gesteuerte Infiltration) vorgeschaltet werden
Die Abbildung zeigt eine CT-gesteuerte PRT an eine Nervenwurzel in der Halswirbelsäule zur topographischen Diagnostik und möglicher minimaler Therapie

Bildgebung - laterale Bandscheibenvorfälle im CT und MRT - Indikation zur Foraminotomie

Bandscheibenvorfall C6/C7 (linkss im Bild) genau im Nervenloch (Neuroforamen) liegend - Indikation zur Operation von dorsal (hinten)
Bandscheibenvorfall C6/C7 (rechts im Bild) genau im Nervenloch (Neuroforamen) liegend - Indikation zur Operation von dorsal (hinten)

Die Operation

Der Patient wird aus dem Bauch gelagert, der Kopf wird nicht fixiert sondern liegt auf einem Kissen
Die Abbildung zeigt den typischen kleinen Hautschnitt hinten am Nacken in der Höhe der zu operierenden Etage in der HWS
Der Operateur steht am Kopf des Patienten und schaut mit dem Mikroskop auf die Halswirbelsäule; nur umgedreht

Ergebnisse der Operation

  • 217 Patienten konnten nachverfolgt werden und wurden 6 Wochen und
    3 Monate nach der Operation untersucht
  • davon wurden 41 in 2 Höhen operiert
  • bei 32 Patienten wurde eine dorsale Foraminotomie nach einer vorherigen
  • ventralen Fusion bei persistierender Foramenstenose durchgeführt
  • 29 Patienten erhielten eine ventrale Fusion nach der Foraminotomie (Bandscheibenvorfall nicht hinreichend entfernt, fortschreitende Degeneration)
  • die Mehrzahl der Patienten (n=187) profitierten gut bis sehr gut von der Operation
  • VAS: Reduktion des Wertes von 7 präoperativ auf 2 nach 6 Wochen und auf 3 nach 3 Monaten
  • als Komplikationen traten bei 19 Patienten Wundserome und Wundheilungsstörungen auf, ohne die Notwendigkeit einer operativen Revision
  • in keinem Fall kam es zu einer neurologischen Verschlechterung innerhalb 3 Monaten nach OP
  • die mittlere Dauer des Eingriffs lag bei 65 Minuten

Schlußfolgerung

Die dorsale Foraminotomie ist eine zuverlässige Methode zur Behandlung von lateralen, weichen zervikalen Bandscheibenvorfällen und unilateralen Neuroforamenstenosen hinsichtlich
  • dem operativen Ergebnis
  • der Patientenzufriedenheit
  • Komplikationsrate
  • dem zeitlichen Aufwand
–>  diese Technik sollte essentieller Bestandteil im Portfolio der chirurgischen Behandlung werden/bleiben
–> die beste Prothese an der HWS ist immer noch die eigene Bandscheibe
Der Vortrag und der Abstract wurden auf der VSOU 2016 und auf dem DWG Kongress 2013 präsentiert.
Scroll to top