Die körperliche Untersuchung

Zeichen nach Laségue
Bei der körperlichen Untersuchung ist auf die Form ( Verstärkung, Abflachung, Seitenverbiegung - Skoliose ) und Beweglichkeit der Wirbelsäulezu achten. Meistens besteht eine schmerzbedingte Verspannung und Verhärtung der Rückenstreckmuskulatur: der paravertebrale Hartspann. Oft kann durch Beklopfen der Wirbeldornfortsätze eine Höhenlokalisation des Schadens recht gut festgestellt werden (insbesondere bei Infektionen, Verletzungen und Tumoren).
 
Das Lasèguesche Phänomen beruht auf einer Dehnung des komprimierten und gereizten Nerven (N. ischiadicus, N. femoralis). Hierbei kommt es beim Anheben des gestreckten Beins in Rücken- oder Bauchlage zu ziehenden Schmerzen im Bein und im Bereich der Lendenwirbelsäule.
 
Durch die Prüfung der MER (Muskeleigenreflexe), Motorik und Sensibilität kann die Lokalisation des pathologischen Prozesses oft bestimmt und einer einzelnen Nervenwurzel zugeordnet werden.
 
 
Es gibt sowohl Kennreflexe, Kennmuskeln als auch spezielle Hautversorgungsfelder (Dermatome) für die einzelnen Beinnerven:
 
Die Schädigung der Spinalnerven L3 und L4 (Vorfälle der Höhen LWK 2/3 und LWK 3/4) führen zu:
  • Abschwächung oder Ausfällen der PSR (Patellarsehnenreflex)
  • Lähmung des Musculus quadriceps (erschwertes Stuhlsteigen bzw. Schwierigkeit beim Treppensteigen)
  • Schmerzausstrahlung und Taubheitsgefühl Oberschenkel Vorder- Innenseite und Unterschenkel Innenseite.
 
Die Schädigung des Spinalnerv L5 (Vorfälle der Höhe LWK 4/5) führen zu:
  • Ausfall des TPR (Tibialisposteriorreflex),
  • Fuß- und Zehenheberschwäche (erschwerter oder nicht möglicher Fersengang, Schlappfuß)
  • Schmerzen und Sensibilitätsstörung Ober- und Unterschenkel Außenseite sowie Fußrücken und Großzeh.
Die Schädigung des Spinalnerv S1 (Vorfälle der Höhe LWK 5/SWK1) führen zu:
  • Ausfall des ASR (Achillessehnenreflex)
  • Lähmung der Fuß- und Zehensenker, (erschwerter oder nicht durchführbarer Zehenspitzengang)
  • Schmerzausstrahlung und Sensibilitätsstörung Ober- und Unterschenkelrückseite bis zum Fußaußenrand und Kleinzeh.
 
Zusatzuntersuchungen (apparative Diagnostik):
Durch die Erhebung der genauen Anamnese sowie die klinische Untersuchung kann lediglich eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Lokaler sowie ins Bein ausstrahlender Schmerz neurologische Ausfallerscheinungen (Lähmungen, Sensibilitätsstörungen) sind Zeichen eines krankhaften Geschehens, die jedoch auch durch andere Erkrankungen (z.B. Verletzung, Entzündung, Tumor) entstehen können.
 
Für die Entwicklung der Behandlungsstrategie ist es unabdingbar, die Ursache, die genaue Lokalisation und das Ausmaß des Schadens zu erkennen. Hierzu sind weitere Untersuchungen unerlässlich.