CT-gesteuerte Schmerztherapie

Was ist die CT-gesteuerte Schmerztherapie ?

Rückenschmerzen sind der häufigste Grund um zum Arzt zu gehen. Bei vielen Patienten werden die Beschwerden häufig durch Funktionsstörungen der Wirbelgelenke und durch Fehl- und Überbelastungen ausgelöst. In späteren Jahren stehen Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule mit Arthrosen und/oder Bandscheibenvorfällen im Vordergrund. In allen Fällen kommt es zu entzündlichen Prozessen mit anhaltenden Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.

Mit der CT (Computertomographie)-gesteuerten Rückenschmerztherapie ist eine gezielte und wirksame Behandlung von Rückenschmerzen am Ort des Geschehens, als Alternative zu operativen Eingriffen, möglich. Die bildgesteuerte Rückenschmerztherapie findet immer dann eine sinnvolle Anwendung, wenn die üblichen Behandlungsmaßnahmen (medikamentöse Schmerztherapie, Physiotherapie und andere lokale Anwendungen) nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben.

 

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Wann und bei wem kann man eine CT-gesteuerte Schmerztherapie anwenden ?

Patienten mit einem Bandscheibenvorfall, der zur Zeit zwar Schmerzen verursacht aber noch keine neurologischen Ausfälle hervorruft, d.h. Lähmungen von Muskeln oder Blasenstörungen, können zunächst auch von der CT-gesteuerten Schmerztherapie profitieren.

Ebenso Patienten mit einer sogenannten Spinalkanalstenose, bei der die Rückenschmerzen im Vordergrund stehen und weniger die Schmerzen in den Beinen und die Verschlechterung der Gehstrecke.

Bei Patienten mit einer Instabilität der Wirbelsäule, die aktuell nur Lumbagobeschwerden in noch vetretbarer Intensität verursachen, können mit einer CT-gesteuerten Schmerztherapie behandelt werden.

Das Ziel bei all diesen Patienten ist einen Weg zu finden, die operative Methode vielleicht nochmal zu umgehen und zu verhindern. Bei einer jedoch klaren Indikation zur Operation, z.B. bei unerträglichen Schmerzen oder Ausfallserscheinungen hat die CT-gesteuerte Schmerztherapie definitiv ihre Grenze. In diesem Fall ist die von Ihrem Arzt vorgeschlagene operative Behandlung die sinnvollere.

Eine weitere Indikation zur CT-gesteuerten Schmerzthrerapie stellt das sogenannte Iliosakralgelenk-Syndrom (ISG-Syndrom) dar. Bei Schmerzen, die von diesem Gelenk ausgehen, kann ebenfalls eine Infiltrationstherapie des ISG zu einer Schmerzlinderung führen.

tl_files/images/images eigene/Fotolia_39858922_XS.jpg...hier weiterlesen - ISG-Syndrom

 

Was ist eine  Facetteninfiltration bzw. eine periradikuläre Therapie ?

 
Die einzelnen Knochen der Halswirbelsäule / Lendenwirbelsäule sind über Bänder, Sehnen und Gelenke miteinander verbunden. Diese Gelenke werden als Facettengelenke bezeichnet. 
 
Durch Verschmälerung der Zwischenwirbelräume besonders im Bereich der unteren HWS und LWS und Nachlassen des „Stoßdämpfereffekts“ der Bandscheiben werden zunehmend unter anderem die Wirbel- oderFacettengelenke belastet, was längerfristig zur Gelenkarthrose, Ergußbildungen und sonstigen Gelenkveränderungen führt.
Diese Veränderungen haben eine Reizung der Wirbelgelenksnerven, zur Folge. Es treten dann oft starke, meist bewegungs- und belastungsabhängige Schmerzen auf.
 
Ziel der Behandlungsmethode ist, unter computertomographischer (CT)-Bildkontrolle mit einer dünnen Nadel gezielt ein örtliches Betäubungsmittel und ein langwirksames Cortison an diese Gelenke zu bringen. Durch diese Behandlungsmethode kann der von diesen Gelenken ausgehende Schmerz der Hals-/Lendenwirbelsäule betäubt und ggf. auch auf längere Sicht erfolgreich behandelt werden.
 
 
 
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Die periradikuläre Therapie (PRT) kommt bei Patienten zum Einsatz, deren Beschwerden durch Reizung von Nervenwurzeln im Hals- oder Lendenwirbelsäulenbereich entstehen. Die Nervenwurzelreizung entsteht durch eine Verengung der Nervenkanäle, die meist durch einen Bandscheibenvorfall, eine Bandscheibenvorwölbung oder knöcherne Anbauten bedingt ist. Eine gereizte Nervenwurzel schwillt an und verstärkt dadurch den ohnehin durch die Nerven-kanalverengung verursachten, schmerzhaften Druck. Hier wird ebenfalls CT-gesteuert ein Cortison-Präparat millimeter-genau an die Nervenwurzel gebracht. Diese schwillt unter dem Medikament merklich ab und Ihre Schmerzen werden oft deutlich gelindert. 
Hierdurch ist es zusätzlich möglich eine topographische Einordnung zu erhalten, d.h. es klärt sich, ob der Schmerz durch in dieser Höhe vorliegenden Engstellung zustande kommt.
 
 
Wie verläuft die CT-gesteuerte Infiltration ?

Die CT-Behandlung der Lenden- und Halswirbelsäule erfolgt in Bauchlage, auf einer Liege, die wir langsam in die Öffnung des CT´s der sogenannten „Gantry“ hinein-bewegen. Die Öffnung ist relativ weit und kurz und es ist jederzeit möglich mit dem Arzt oder den Helferinnen zu sprechen. Im weiteren Schritt erfolgt dann die Anfertigung der Schnittbilder, auf denen am Monitor dann der genaue Eintrittspunkt und der Injektionsweg der Nadel geplant wird. Anschließend werden diese Daten auf das CT übertragen und durch einen Laserpointer (siehe nebenstehende Abbildung) auf der Oberfläche dargestellt. Entsprechend der Lasermarkierung führen wir die dünne Injektionsnadel

  • in den Bereich der Nervenwurzel (PRT),
  • in die Gelenke der Wirbelsäule (Facetteninfiltration)

ein. Wichtig ist, dass Sie während der Anfertigung der Bilder und der Intervention bitte ganz ruhig und entspannt liegen. Dies erleichtert uns die Durchführung entscheidend.

 

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Die Vorteile der CT-gestützten Infiltrationen sind ein risikoarmes und minimalinvasives Behandlungsverfahren mit weitgehend schmerzfreier Injektionstechnik. Es wird eine hohe Wirkstoffkonzentration am Schmerzpunkt der Wirbelsäule und eine hohe Sicherheit zur Vermeidung von Nerven- und Gefäßverletzungen erlangt. Die ganze Behandlung dauert ca. 10 Minuten.

Währenddessen werden Sie bezüglich Kreislauf- und Allgemeinbefinden überwacht.
 

Welche spezifischen Risiken und Komplikationen gibt es ?

Trotz größer Sorgfalt und minimalinvasiver Vorgehensweise bestehen auch bei der CT-gesteuerten Schmerztherapie mögliche Risiken, die aber ausgesprochen selten sind. Unerwünschte Nebenwirkungen (z.B. Juckreiz, Übelkeit) von Betäubungs-, Schmerz- und Kontrastmitteln oder anderen verabreichten Medikamenten können vor allem bei Überempfindlichkeit (Allergien) und bei Vorerkrankungen auftreten, nach denen wir Sie befragen.

  • Sehr selten kommt es zu Kreislaufreaktionen (z.B. Blutdruckabfall, Atembeschwerden, Verlang-samung des Herzschlags), die sich meist schnell beheben lassen. Zudem werden hierfür mit einem Fingeroxymeter die gesamte Zeit Ihr Puls und die Sauerstoffsättigung im Blut überwacht.
  • Blutergüsse, stärkere Blutungen und Infektionen im Bereich der Einstichstelle (z.B. Spritzenabszess, Absterben von Gewebe) sind äußerst selten; nur in Ausnahmefällen bedürfen sie einer operativen Versorgung.
  • Bleibende Lähmungen als Folge von Blutergüssen, Entzündungen oder Nervenverletzungen sind extrem selten.
  • Gelangt das Betäubungsmittel in seltenen Fällen in den Wirbelkanal, führt dies zu Gefühlsstörungen und/oder Lähmungen der unteren Körperhälfte, die bis zu 6 Stunden andauern können. 
 
Was der Arzt unbedingt wissen sollte:

Das Risiko etwaiger Komplikationen hängt auch von Ihren eigenen Vorerkrankungen ab und Ihrer eigenen körperlichen Verfassung.

Da bei der Injektion Cortison-Präparate verwendet werden, muss der Arzt wissen, ob ein Diabetes mellitus vorliegt, da das Cortison die Wirkung des Insulins herabsetzt.

Zudem sollte keine Infiltration unter Marcumartherapie oder anderer gerinnungs-hemmenden Mitteln erfolgen, da sonst eine Nachblutung auftreten kann.

 

Erfolgsaussichten

  • Häufig ist bereits nach der ersten Behandlung eine Besserung festzustellen. Es werden drei bis vier gleichartige Behandlungen erforderlich sein. Zudem kann entsprechend des Effekts auf Ihre Beschwerden auch die Lokalisation der Infiltration variiert werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Bei bis zu 70% der Patienten kommt es im Verlauf zu einer zufriedenstellenden Besserung der Beschwerden.
  • Ziel der Behandlung sind die nachhaltige Minderung der durch die Wirbelgelenke verursachten Lumbalgien sowie eine topographische Diagnostik bei der der Ausgangspunkt der Schmerzen klar lokalisiert werden soll. Im Falle einer klaren Höhenlokalisation des Facetten-schmerzes kann bei rezidivierenden Schmerzen auch eine sogenannte Thermokoagulation des entsprechenden Segmentes durchgeführt werden.

 

Indikation zur stationären minimalinvasiven Schmerztherapie

Facettengelenke
Eine Zeichnung der Lendenwirbelsäule von hinten. Hervorgehoben sind die Nervenbahnen die bei degenerativen Veränderungen den Schmerz leiten. Diese Schmerzbahnen müssen bei der CT gesteuerten Schmerztherapie anvisiert und getroffen werden.

Indikationsprüfung zur stationären Schmerztherapie - stationäre minimalinvasive Wirbelsäulentherapie

  • evidenzbaiert durch Studien, Empfehlung der Arzneimittelkommision der Deutschen Ärzteschaft
  • erforderlich mehrfache Injektionen, frühestens nach 3-4 Tagen Entlassung sinnvol

 

KontraIndikationen / per exclusionem für die ambulante Therapie:

→ gravierende Befunde und Schmerzen Visuelle Analog Skala > 5 (VAS 0-10)

    • Bandscheibenvorfall (cervical, lumbal)

    • dekomensierte Spinalkanalstenose

    • postoperative Narbe, Instabilität

    • Spondylolisthesis/Wirbelgleiten (auch degenerativ)

    • Osteoporosefraktur

    • Synovialiszyste

 

Bei Beschwerden anhaltend über VAS 5 und Verstärkung durch körperliche Belastung (z.B. Ein- und Aussteigen aus dem PKW !!!) ambulante Therapie meist nicht sinnvoll. Die transportbedingten Schmerzauslösungen reaktivieren die durch die Schmerztherapie reduzierten Nervenwurzelreizerscheinungen und verzögern den Heilungsverlauf.

 

Gravierende Befunde als Indikation zur stationär-minimalinvasiven Wirbesäulentherapie

 

    • erhebliche ischiatische Fehlhaltung, Torticollis

    • massiver Prolaps mit drohender Caudasymptomatik

    • motorische/sensible Ausfälle im Grenzbereich zur Operation

 

Unbedingt ist eine vorhergehede ambulante Behandlung durch einen Facharzt erforderlich.

 

Schmerzmedikation

Da die Schmerztherapie stationär erfolgt und somit eine Überwachung möglich ist, können Medikamente eingesetzt werden, die unter die WHO Klassifikation der Stufe 3 fallen (z.B. Opiate etc.)

 

Physiotherapie

Prospektive Studien zeigen, dass bei vertebragenen Beschwerden, Bewegung besser ist als Bettruhe (Dietrich 2003, Hildebrand und Pfingsten 1998). Hierdurch wird der venöse Abfluß im Spinalkanal gefördert. Zudem bei Wechsel aus Bewegung und Bettruhe Besserung der Nährstoffversorgung der Bandscheibe.

 

Zu guter Letzt...

„Bandscheibenschmerzen haben keinen Feiertag“, Behandlung der Patienten auch über das Wochenende erforderlich und möglich.